Was sind Wärmebrücken?
Wärmebrücken sind Bereiche in der Gebäudehülle, an denen mehr Wärme nach außen abfließt als in den angrenzenden Bauteilen. Typische Beispiele sind Außenecken, Fensteranschlüsse, Balkone oder Übergänge zwischen verschiedenen Bauteilen.
Wärmebrücken haben zwei wesentliche Auswirkungen: Sie erhöhen den Energieverbrauch des Gebäudes und können zu niedrigen Oberflächentemperaturen führen, die Schimmelbildung begünstigen.
Typische Wärmebrücken
- Sockel und Bodenplatte: Übergang zwischen Fundament und Außenwand
- Fenster- und Türanschlüsse: Rahmeneinbau und Laibungen
- Außen- und Innenecken: Geometrisch bedingte Mehrverluste
- Balkon- und Attika-Anschlüsse: Durchstoßende Bauteile
- Geschossdeckenanschlüsse: Deckenauflager auf Außenwänden
- Dachanschlüsse: Traufe, Ortgang, First
- Rollladenkästen: Häufig nicht oder schlecht gedämmt
Drei Nachweisverfahren
Je nach Anforderung und gewünschter Genauigkeit stehen drei Nachweisverfahren zur Verfügung:
| Verfahren | Beschreibung | ΔUWB |
|---|---|---|
| Pauschalansatz | Keine Berechnung, pauschaler Zuschlag auf U-Werte | 0,10 W/(m²K) |
| Gleichwertigkeitsnachweis | Vergleich mit Referenzdetails nach DIN 4108 Beiblatt 2 | 0,05 W/(m²K) |
| Detaillierter Nachweis | Individuelle FEM-Berechnung aller Anschlüsse | ≤ 0,03 W/(m²K) |
Wirtschaftlichkeit des detaillierten Nachweises
Der detaillierte Wärmebrückennachweis erfordert mehr Aufwand, kann sich aber deutlich rechnen:
- Bessere Effizienzhaus-Stufe: Der niedrigere ΔUWB-Wert kann den Unterschied zwischen EH 70 und EH 55 ausmachen
- Dünnere Dämmstärken: Bei gleichem Effizienzhaus-Niveau sind geringere Dämmdicken möglich
- Höhere Förderung: Die nächsthöhere KfW-Stufe bedeutet mehr Tilgungszuschuss
- Schimmelprävention: Identifikation kritischer Stellen vor der Sanierung
Beispiel: Bei einem typischen Einfamilienhaus kann der Unterschied zwischen Pauschalansatz (0,10) und detailliertem Nachweis (0,03) einem zusätzlichen Wärmeverlust von ca. 1.500–2.000 kWh/Jahr entsprechen – das sind 150–300 € Heizkosten jährlich.
Wann lohnt sich der detaillierte Nachweis?
- Bei angestrebter KfW-Effizienzhaus-Stufe, die knapp nicht erreicht wird
- Wenn bauliche Einschränkungen die Dämmstärke begrenzen
- Bei komplexen Gebäudegeometrien mit vielen Anschlüssen
- Wenn Schimmelprobleme an bestimmten Stellen auftreten
- Zur Qualitätssicherung bei hochwertigen Sanierungen
DIN 4108 Beiblatt 2: Der Katalog enthält Referenzdetails für den Gleichwertigkeitsnachweis. Wenn Ihre Konstruktion den Katalogdetails entspricht, kann der ΔUWB-Wert von 0,05 W/(m²K) angesetzt werden.